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Was tun, wenn keine Bestandsunterlagen vorliegen? Optionen für eine fundierte Energieberatung

Eine solide Energieberatung für den Wohnbau setzt idealerweise auf vorhandene Bestandsunterlagen wie Baupläne, Energienachweise und technische Datenblätter. Doch oft fehlen diese Dokumente, insbesondere bei älteren Gebäuden. Was also tun, wenn solche Unterlagen nicht vorhanden sind? Welche Möglichkeiten haben Hausbesitzer, um dennoch eine fundierte Analyse für eine energetische Sanierung oder die Installation einer Wärmepumpe und Photovoltaikanlage (PV) zu erhalten?


1. Bestandsaufnahme durch eine Vor-Ort-Begehung

Fehlende Unterlagen können durch eine detaillierte Vor-Ort-Analyse teilweise kompensiert werden. Ein Energieberater kann durch Sichtprüfung und gezielte Messungen Rückschlüsse auf die Bausubstanz, die vorhandene Dämmung und die Heizungsanlage ziehen. Ergänzend können Wärmebildkameras zur Analyse von Wärmeverlusten eingesetzt werden.

Zusätzlich besteht die Möglichkeit, das Gebäude vor Ort mit einem Lasergerät aufzunehmen und daraus eine neue Zeichnung der Bestandsunterlagen zu erstellen. Bei größeren Objekten kann eine 3D-Vermessung eingesetzt werden, um eine präzisere Datengrundlage für die weitere Planung zu erhalten.


2. Recherche in kommunalen Archiven

Je nach Alter des Gebäudes könnten Bauunterlagen in kommunalen oder Katasterämtern archiviert sein. Eine Anfrage bei der zuständigen Behörde kann Klarheit bringen. Auch frühere Eigentümer oder Nachbarn könnten noch alte Baupläne oder Rechnungen besitzen.


3. Abschätzung der Gebäudeeigenschaften

Fehlen exakte Daten, kann auf Erfahrungswerte und typische Bauweisen des Baujahres zurückgegriffen werden. Standardwerte für Wandaufbauten, Fensterqualität und Dämmung können als Grundlage für Berechnungen genutzt werden, auch wenn diese weniger genau sind. Zusätzlich können Materialien anhand der Typologie des Gebäudes und der aktuellen Normen abgeleitet werden, um eine realistische Einschätzung der Bausubstanz zu ermöglichen.


4. Bedeutung der letzten Gasrechnungen für eine präzise Berechnung

Gerade für die Planung einer Wärmepumpe, einer PV-Anlage oder eines individuellen Sanierungsfahrplans sind die Verbrauchsdaten der letzten drei Jahre unerlässlich. Sie geben wertvolle Hinweise auf den tatsächlichen Heizbedarf eines Gebäudes. Ohne diese Rechnungen ist eine genaue Berechnung nicht möglich.

  • Dimensionierung der Wärmepumpe: Der bisherige Gasverbrauch erlaubt eine Abschätzung des jährlichen Heizwärmebedarfs. Das hilft, eine Wärmepumpe richtig auszulegen, um Überdimensionierung und unnötige Kosten zu vermeiden. Zusätzlich ist eine raumweise Berechnung der Heizlast nach DIN EN 12831 erforderlich, um sicherzustellen, dass die Wärmepumpe optimal auf den tatsächlichen Bedarf abgestimmt ist.

  • PV-Anlage und Eigenverbrauchsoptimierung: Der Strombedarf für eine Wärmepumpe kann mithilfe der bisherigen Heizgewohnheiten ermittelt werden. Daraus ergibt sich die ideale Größe einer PV-Anlage, um möglichst viel des eigenen Stroms zu nutzen.

  • Sanierungsfahrplan: Für eine förderfähige Erstellung eines individuellen Sanierungsfahrplans (iSFP) sind die Gasrechnungen der letzten drei Jahre essenziell. Eine Abschätzung des Energieverbrauchs reicht nicht aus, da die tatsächlichen Verbrauchswerte Grundlage der energetischen Bewertung und Maßnahmenplanung sind.


5. Alternativen zur Gasrechnung: Verbrauchsabschätzung nur bedingt möglich

Falls keine Gasrechnungen vorliegen, können Verbrauchswerte zwar durch Vergleichsgebäude oder den bisherigen Brennstoffverbrauch (z. B. Heizöl, Pellets) abgeschätzt werden. Allerdings ist dies für eine exakte Berechnung des Sanierungsfahrplans nicht ausreichend. Wer keine Verbrauchsdaten vorliegen hat, sollte versuchen, diese über den Energieversorger oder alte Unterlagen zu beschaffen.


Fazit: Lösungen gibt es immer, aber vollständige Unterlagen sind entscheidend

Auch wenn Bestandsunterlagen fehlen, gibt es viele Möglichkeiten, eine fundierte Energieberatung durchzuführen. Eine Kombination aus Vor-Ort-Analyse, Recherche und Verbrauchsabschätzung ermöglicht eine realistische Planung. Besonders die letzten drei Gasrechnungen sind von großer Bedeutung, da sie für eine exakte Dimensionierung der Wärmepumpe, die



Planung einer PV-Anlage und die Erstellung eines Sanierungsfahrplans unerlässlich sind. Zudem können fehlende Materialangaben durch eine Analyse der Gebäudetypologie und aktuelle Normen ergänzt werden. Wer unsicher ist, sollte sich frühzeitig mit einem qualifizierten Energieberater in Verbindung setzen, um alle Optionen optimal auszuschöpfen.

Grundriss animation, Quelle:deepai.org
Grundriss animation, Quelle:deepai.org

 
 
 

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Dipl.-Ing. IVETA KOHLI

Energieberatung Wohn- und Nichtwohngebäude

Passivhaus Planung und Beratung

+49 162 979 1654

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